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LiebeR Freund der Menschenrechte,
liebe Unterstützerin von IPON,
Vor wenigen Tagen hat die
ausscheidende Strafverfolgerin des Internationalen Strafgerichtshofs, Fatou Bensouda, ihre
Vorprüfung zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit im philippinischen „War on Drugs“
abgeschlossen und die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens beantragt.[i] Dies ist ein großer
Erfolg für Menschenrechtler*innen die sich, wie einige unserer Partner*innen, lange hierfür
eingesetzt haben. Obwohl die Philippinen den Internationalen Strafgerichtshof 2019 verlassen
haben, kann das Gericht gegen Verbrechen vorgehen, die vor diesem Zeitpunkt begangen wurden.
Leider müssen wir bei einer
wahrscheinlicheren internationalen Untersuchung davon ausgehen, dass Repressionen gegen
zivilgesellschaftliche Akteure zunehmen. Hinzu kommt, dass in der Zeit vor den
Präsidentschaftswahlen die Gewalt im Land üblicherweise ansteigt. Die Situation wird darüber
hinaus durch die immer noch anhaltende militärische Durchsetzung von Maßnahmen gegen die
COVID 19-Pandemie erschwert.[ii] Die Diffamierung von
Aktivist*innen als Terrorist*innen läuft weiterhin auf Hochtouren und fand einen traurigen
Höhepunkt am 7. März diesen Jahres. In 24 konzertierten Hausdurchsuchungen wurden 9 Menschen
an einem Tag getötet.[iii]
Menschenrechtsbeobachtung
wird gerade absolut dringend gebraucht!
Gerne möchten wir Sie/Dich
darüber informieren, wie wir daran arbeiten, Menschenrechtsbeobachtung vor Ort wieder
möglich zu machen und auch aus der Ferne mit Menschenrechtler*innen zusammenarbeiten.
Das
sind unsere Themen
Einladung: Gedenken an Zara Alvarez
Dran bleiben: Schutz aus der Ferne
Kreativ für IPONs Rückkehr
Ersteinmal möchten wir Sie/Dich jedoch herzlich
einladen. Die Einladung findet sich zum Ausdrucken und Weitergeben auch im Anhang der Mail.
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Trotz des traurigen Anlasses freuen wir uns, viele
von Ihnen/Euch persönlich zu treffen um gemeinsam Kraft zu schöpfen und unsere Forderungen
sichtbar zu machen. Auch eine Online-Teilnahme ist nach Absprache möglich. Sollten Sie/Ihr
Journalist*innen kennen, die bereit wären, für unsere Veranstaltung nach Hamburg zu kommen,
bitten wir um Kontaktaufnahme. Die Veranstaltung kann bei gutem Wetter draußen stattfinden.
Wer sich anmeldet, erhält im Vorwege Informationen über die Hygieneauflagen. Wer
Unterstützung bei der Betreuung mitgebrachter Kinder wünscht, melde sich bitte bis zum
25.07. Eine Wegbeschreibung zur Kulturkappelle findet sich hier. Ein paar Tage vor Zara
Alavarez’ Todestag, wird es zudem eine medienwirksame Aktion in Köln geben. Infos gibt es ab
Ende Juli beim Philippinenbüro[iv].
Ein sehr persönlicher Einblick zum Mord an Zara
findet sich im
Zudem berichtet eine enge Mitstreiterin von Zara
in einer
über Repressionen von Menschenrechtsaktivist*innen
auf den Philippinen und über die Umstände von Zaras Tod. IPONler*innen sind in dieser
Sendung als Interviewpartnerin und Studiogäste dabei.
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Der Mordfall an Zara Alvarez wurde bisher nicht
aufgeklärt. Er liegt bei eben jener Abteilung der Polizei, von der sich Zara vor ihrem Tod
beobachtet gefühlt hat. Hier wären wiederkehrende Besuche von internationalen
Beobachter*innen das Mittel der Wahl, um Ermittlungen zu begleiten und mögliche Missstände
oder Verschleppungen zu identifizieren. Doch auch aus der Ferne bleiben wir mit unseren
Telefonanrufen am Ball. Zeitverschiebung, Verbindungsprobleme und unklare
Verantwortlichkeiten machen es uns nicht leicht.
Zum Schutz von Menschenrechtler*innen und ihren Angehörigen gibt es einiges zu tun, was aus
Sicherheitsgründen so wenig wie möglich kommuniziert werden sollte. Mit einem nicht
öffentlichen Bericht haben wir dazu beigetragen, einen geeigneten Schutz für das Kind von
Zara Alvarez wahrscheinlicher zu machen.
Für eine weitere Menschenrechtlerin, die selbst unter starkem Druck steht, haben wir in
Zusammenarbeit mit einer Aufnahmeorganisation und dem Auswärtigen Amt einen Schutzaufenthalt
in Deutschland anberaumt. Gerade ist sie angekommen und wir sind sehr erleichtert. Wir
müssen nun gemeinsam eruieren, welche Auswirkungen ein öffentliches Engagement in
Deutschland auf ihre Sicherheitssituation hat.
Die kritische Menschenrechtslage in den Philippinen wird hierzulande zum Glück nicht nur von
uns bearbeitet. Stärkende Partner*innen finden sich für uns im Aktionsbündnis Menschenrechte
Philippinen. Mit dem Bündnis haben wir uns z.B. in einer Erklärung für die Freilassung des
Pastors Dan Balucio eingesetzt, der Anfang Mai 2021 verhaftet wurde.[v]
Ähnlich wie in anderen Fällen von Verhaftungen im Kontext des „Red-Tagging“, gab es
zwei aufeinander folgende Hausdurchsuchungen. Die erste erfolgte durch Militär und Polizei,
nachdem diese den Pastor und seine Familie gezwungen hatten, ihr Haus zu verlassen. Die
zweite wurde direkt darauf mit Durchsuchungsbeschluss und unter Beisein der lokalen
Verwaltung durchgeführt. Hier wurden dann Waffen und eine rote Fahne „gefunden“. Auch die
Menschenrechtsbeauftragte des deutschen Bundestages, Bärbel Kofler, hat diesen Fall
aufgegriffen.[vi] Das
Aktionsbündnis Menschenrechte gibt regelmäßig einen Newsletter zur allgemeinen
Menschenrechtssituation in den Philippinen heraus, den auch wir dankbar nutzen und allen
Interessierten wärmstens empfehlen.[vii]
Auch auf unsere
philippinischen Netzwerke ist weiterhin Verlass. Neben Corona steht unserer Rückkehr in die
Philippinen vor allem das Fehlen einer soliden Finanzierung im Wege. Mit mehreren
philippinischen Partnergruppen sind wir hier in einen gemeinschaftlichen Prozess
eingestiegen und haben bei der EU eine Projektskizze eingereicht. Mit dabei war u.a. die
Organisation Bawgbug vom Menschenrechtler Cocoy Tulawie. Endlich online verfügbar
ist nun ein
Der Antrag wurde sehr
gut bewertet, in dieser Antragsrunde jedoch leider nicht gefördert. Auch wenn der Erfolg
dieser Arbeit sich bisher nicht in Geld ausgedrückt hat, war es doch gut, Zusammenhalt und
Verständnis zu spüren, die in einer solchen Planungsphase – auch mit über 10.000 Kilometer
Distanz – gefestigt wurden.
Ein weiterer Pfad, den wir für die Finanzierung von Menschenrechtsbeobachtung eingeschlagen
haben, ist der, in den Zivilen Friedensdienst (ZFD)[viii]
einzusteigen. Mit einer ZFD-Trägerorganisation haben wir ein partnerschaftliches Projekt
entwickelt. Ob es umgesetzt werden kann, hängt u.a. davon ab, wie die Haushaltsgestaltung
der neuen Bundesregierung aussehen wird.
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Der etwas andere Feierabend: Die Entwicklung unseres Do-No-Harm-Konzeptes.
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Unabhängig davon, welche Finanzierungsmöglichkeit
weiter entwickelt werden kann, gilt: Wir bereiten unsere Rückkehr in die Philippinen vor.
Zum Beispiel hat unser Do-No-Harm Team ein Konzept entwickelt, um unsere Arbeit kritisch auf
Nebenwirkungen zu überprüfen, die Konflikte verschärfen oder Ungleichheiten verstärken
können. Dieses setzt einerseits auf organisationaler Ebene an (z.B. Ziele unserer Arbeit,
Abläufe, Verantwortungsstruktur), andererseits bietet es einen Leitfaden für das Erkennen
von Ungewolltem auf konkreter Projektebene.
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Es bleibt viel zu tun!
Weiterleiten, erzählen, spenden, mitmachen!
Im Namen aller Aktiven bei IPON wünsche ich Ihnen
und Euch einen schönen Sommer!
Herzliche Grüße
Janina Dannenberg
https://twitter.com/IPON_de
https://www.facebook.com/ipon.philippines
Spendenkonto:
IPON e.V.
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Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Spenden sind steuerlich absetzbar.
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